O wie Opfel


Es gibt im Leben doch noch Tage, an denen ich mich freue 2 Schulkinder zu haben. Und manchmal bringen sogar die Hausaufgaben einen zum Lachen. Ein O wie Opfel kann einen in ein lachendes Kind zurück verwandeln. Denn nur, der der wie ein Kind lachen kann, kann wahres Glück empfinden. Genau das ist mein glücklichster Moment des heutigen Tages, mein Grins des Tages sogar.

Nach der Arbeit bin ich mal wieder schnell Richtung Nachhause oder besser gesagt Richtung Hort gefahren. Es regnete wie aus Eimern und die feuchte kalte Luft kroch durch jede undichte Stelle bis in mein Herz. An Tagen wie diese mag man nicht mal aus dem Fenster schauen, geschweige denn rausgehen.  Nun war aber der bezahlte Teil meines Arbeitstages vorbei und ich durfte die Kinder abholen.

Um der grauen klebrigen Luft zu entfliehen, haben sie sich heute eine Phantasiewelt erschaffen. Das Talent müssen sie von mir haben. Nur war es leider ja auch gar nicht so einfach die beiden dem Spiel zu entreißen. Dementsprechend zog sich das Prozedere mit anziehen und Sachen holen enorm in die Länge.

Gefühlte Stunden später sind wir doch noch zu Hause angekommen, wo das tägliche Nachjob-, Nachschulleben seinen gewohnten Lauf nahm. Nachdem Hunger und Durst gestillt waren,  kam ich dazu die Schulmappen durchzuschauen.  Ein Ausmalbild von Julia und ein Arbeitsblatt von Jan mussten noch bearbeitet werden. Passend zu dem Rest des Tages, brauchte ich eine Menge Überzeugungskraft um die beiden dazu zu bewegen sich an die Arbeit zu machen. Doch als sie fertig waren, kam doch noch eine Überraschung. Das Puzzle Ausmalblatt zum Buchstaben O in der ersten Klasse brachte etwas rundes zum Vorschein. „Ist das ein Kürbis?“ fragte ich etwas verdutzt. „Aber in dem Wort kommt das O noch nicht mal vor! Wer hat sich denn das wohl ausgedacht?“ . Ohne zu zögern schoss Julia todernst wie aus der Pistole: „Vielleicht ist das ein Opfel?“. 

Und da war es schon wieder das Kinderlachen, an das du mich jeden Tag erinnerst und das Gefühl die Welt ist so einfach wie ein frisch gepflückter Opfel.

Genau wegen solcher Momente lohnt es sich zu leben. Wegen einem O wie Opfel und weil es dich gibt...   

 

23.10.14 00:36, kommentieren

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40 Kilo polnische Kartoffeln

    Und da steht er - ein 40-Kilo Sack polnischer Kartoffeln. Dazu auch noch 30 Eier von glücklichen Hühnern und ein Lächeln wie du es noch bei keinem Lotto Gewinner gesehen hast. Kaum zu glauben aber das ist eben mein glücklichster Moment des Abends. mein Grins des Tages. Bin ich verrückt oder kompliziert?

    Seit einigen Wochen hatte ich eine furchbare Sehnsucht nach Zuhause. Die Sehnsucht war nicht gebunden an eine bestimmte Person oder an einen Ort. Was ich vermisst habe, war das Gefühl der absoluten Geborgenheit,wie ein Kind in den Armen seiner Mutter sie fühlt.

    Eigentlich hatte ich vor das lange Wochenende in meiner ewigen Heimat zu verbringen. Nur das dieser Ort 400 Km östlich von hier liegt. Mit 400 Km östlich meine ich 70 Km hinter der polnischen Grenze. Dort inmitten Wälder  und Felder liegt mein mit so vielen Gerüchen und zu lauten Geräuschen gefülltes ewiges Zuhause mit unbequemen Betten und Hundehaaren, mit den Erinnerungen, aber vor allem mit dem heimlichen Gefühl am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.

    Nur die verdammte Angst in langen Staus zu stehen, hat mich davon abgehalten die Kinder ins Auto zu packen und los zu fahren. Nach einem anstrengendem Monat wollte ich mich seelisch und körperlich erholen ohne gefragt zu werden was morgen aus uns wird.

Ich blieb zu Hause und ging nach einem nächsten zu langen Tag in mein Zimmer unter den Wolken um zu mir zu finden. Unterwegs nahm ich noch mein Handy, das vor Stunden ausgegangen sein muss.

Als ich es angeschaltet habe, sah ich eine Nachricht mit dem Verweis auf die Mailbox. Die polnische Nummer hätte auch von meinem Bruder sein können, dachte ich. "Bis du es?", schrieb ich prompt.  Als Antwort kam ein Anruf.

Mein Bruder war gerade unterwegs nach Paris und hatte eine Lieferung für uns: 40 Kilo polnische Kartoffeln. "Mit besten Grüßen aus der Heimat! Nur schaue alle paar Tage nach, ob die nicht faulen.", hieß die offizielle Botschaft. Die ungewöhnlichste Postkarte der Welt hat ihr Ziel erreicht.

    Es war das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe. So viel Liebe, so viel Fürsorge, so viel Zuhause versteckt zwischen den auf eigenem Feld gezüchteten, mit eigenen Händen geernteten Kartoffeln. Eine Sendung so liebevoll  wie eine Umarmung, der keine Entfernung zu weit ist und das auch noch zu einem Zeitpunkt wie er perfekter hätte nicht sein können.

    Das Lächeln passt kaum in mein Gesicht und ein warmes Gefühl breitet sich um mein Herz. Genau wegen solcher Momente lohnt es sich zu leben. Wegen 40 Kilo polnischer Kartoffeln und weil es dich gibt...   

 

 

 

 

 

 

 

 

8.10.14 22:35, kommentieren